Früher war das ruhige Landleben und die Arbeit im elterlichen Weinbetrieb eher das Gegenteil von dem, was Katharina Wechsler wollte. Bis sie 2017 dem Ruf ihres Herzens folgte und sich doch dafür entschied, Winzerin zu werden – zum Glück für die Weinwelt! Heute führt die talentierte Winzerin das Weingut Wechsler in eine aufregende Zukunft…

Was ist deine erste mit Wein verbundene Erinnerung?

Als Winzerkind kann ich meine erste Erinnerung gar nicht genau benennen. Aber der Geruch von frisch abgestochener Hefe oder gärendem Most, der aus dem Weinkeller langsam heraufzieht, versetzt mich immer wieder zurück in meine Kindheit.

Ich erinnere mich noch gut an unsere Eisweinlese 1989, als der sirupartige Most von der Kelter tropfte. Oder an die feuchtkalten, verregneten Lesetage im November mit nassen Jackenärmeln. Das kann man sich bei den sommerlichen Weinlesen der letzten Jahre gar nicht mehr vorstellen.

Was ist deine Philosophie als Winzerin?

Als Winzerin stehe ich für elegante und trinkfreudige Weine, die auf Kalkböden gewachsen sind. Das darf man immer herausschmecken, egal, ob es sich um einen unkomplizierten Perlwein wie Fräulein Hu oder einen komplexen Lagenwein mit Reifepotential handelt. Beste Beispiele hierfür sind unsere Rieslinge Kirchspiel, Morstein und Benn.

Im Weinberg liegt mir die Gesundheit des Bodens und die Balance des Weinberges sehr am Herzen. Aus diesem Grund arbeiten wir ökologisch zertifiziert und bewirtschaften unsere Weinberge rund um Westhofen im größtmöglichen Einklang mit der Natur.

Katharina Wechsler traut sich was – mutige, kräftige Weine sind das Ergebnis.

Was macht dir an der Arbeit mit Wein die größte Freude?

Wein kann so viel ausdrücken. Seine Herkunft, wo er gewachsen ist, die klimatischen Herausforderungen des Jahres, die Handschrift der Winzerin. All diese Prozesse handwerklich und kreativ zu gestalten ist unheimlich erfüllend. Wenn sich am Ende Menschen begegnen, unseren Wein genießen und all das im Glas wiederfinden, haben wir unseren Job richtig gemacht.

Was war dein bisher größtes Erfolgserlebnis mit Wechsler?

 Es ist unmöglich ein bestimmtes Erlebnis zu benennen. Als ich vor zwölf Jahren als Quereinsteigerin ins elterliche Weingut bin, war unser Betrieb ein reiner Fassweinbetrieb ohne eigene Flaschenabfüllungen und Kunden. Heute verkaufen wir unsere Weine in die ganze Welt und meine individuelle Handschrift als Winzerin wird geschätzt. Das erfüllt mich mit Stolz und spornt mich weiter an. 

Womit sollen Weintrinker den Namen Wechsler verbinden?

Mit authentischen, echten Weinen, die Trinkfreude bieten, ohne banal zu sein. 

Wechsler Riesling, Rivaner und Scheurebe reifen in Westhofen auf 17 Hektar Land

Gibt es eine Anekdote aus deinem Winzerleben, die du gerne erzählst?

Oft und gerne erzähle ich von dem für mich sehr besonderen Moment, in dem ich mich entschieden habe, Winzerin zu werden und den Fassweinbetrieb meiner Eltern zu übernehmen. Zu dieser Zeit arbeitete ich als TV Redakteurin in Berlin und wollte von der ländlichen Idylle in Westhofen nichts wissen.

Eines Tages verspürte ich wie aus dem Nichts eine tiefe Sehnsucht, die mich nach Hause zog. Ich folgte diesem Ruf, brach die Zelte in Berlin ab und begann wenige Wochen später mein erstes Praktikum als Winzerin in Rheinhessen. Eine Entscheidung, die mich unglaublich viel Mut gekostet hat und die ich bis heute nicht bereue.

Gibt es einen Wechsler Wein, der dir besonders am Herzen liegt?

Mir liegen sowohl die von ihrem Terroir geprägten Rieslinge, als auch die etwas experimentellen Naturweine am Herzen. Der Sexy MF Rosé macht mir immer unglaublichen Spaß, weil er überrascht und polarisiert. Für einen Rosé hat er eine ungewöhnlich intensive und leuchtende Farbe. Auf die Filtration haben wir bewusst verzichtet. Aber dennoch hat er eine begeisternde Frucht und ist unglaublich trinkanimierend. Im Familien und Freundeskreis ist er der absolute Liebling.

Sexy MF Spätburgunder Rosé – nicht nur aufgrund seines Namens ein besonderer Wein

Gibt es einen anderen Winzer den du besonders schätzt?

Meine Ausbildung durfte ich bei Klaus Peter Keller und Gerhard Gutzler absolvieren. Beide haben mich mit ihrer kompromisslosen Hingabe zum Weinmachen geprägt und als Menschen inspiriert. Dafür bin ich heute noch sehr dankbar.

Aktuell schätze ich besonders den Austausch und die Zusammenarbeit mit meinem Kollegen und Freund Kai Schätzel aus Nierstein. Kai denkt Wein visionär, unsere gemeinsamen Projekte sind immer spannend und lassen uns über den eigenen Tellerrand hinausschauen. 

Hast du für das Weingut eine Vision für die kommenden Jahre?

Ich sehe das Weingut in Zukunft als einen Ort für echte und emotionale Begegnungen rund um unseren Wein. Veranstaltungen, Popup Bars, Verkostungen und Supper Clubs. Gemeinsam Wein trinken und erleben.

All das was wir in den Zeiten des Abstandhaltens vermissen mussten.

Außerdem möchte ich das Weingut in den kommenden Jahren komplett auf biodynamischen Anbau umstellen, mit unseren Weinen berühren und noch präziser werden.

Vom Zulieferer zum eigenständigen Lieferanten – das Weingut Wechsler auf neuen Wegen

Gibt es einen Traum, den du als Winzerin noch verwirklichen möchtest?

Ich träume davon irgendwann eine kleine Weinbar neben dem Weingut in Westhofen zu eröffnen und dort mit meinen Freunden und Kollegen auf das Leben anzustoßen!

Entdecken Sie alle Weine vom Weingut Wechsler

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