Johannes Hasselbach ist ein waschechter Winzer vom legendären „Roten Hang“. In 6. Generation führt er das Familienweingut Gunderloch mit viel Herzblut und einer Begeisterung, die man im Gespräch mit ihm sofort spürt. Außerdem ist er Vorsitzender des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) in Rheinhessen und hat sich dem nachhaltigen Weinbau verschrieben.

Was ist Ihre erste mit Wein verbundene Erinnerung?

Als waschechter Familienbetrieb leben wir gewissermaßen in, mit und von unseren Weinbergen. Von daher sind in meinen Kindheitserinnerungen Begriffe wie Riesling, Traktor, und Weinlese so allgegenwärtig und normal gewesen wie für andere Kinder Spielplatz und Rutschauto. Deshalb kann ich das gar nicht so einfach beantworten. Genauso wie meine Kinder jetzt wird man in ein Weingut geboren und ist gewissermaßen Teil unserer Historie und DNA – wir wurden sozusagen mit Riesling getauft.

Was ist Ihre Philosophie als Winzer?

Die Philosophie eines Winzers auf ein paar Sätze zu begrenzen ist ähnlich schwierig wie einem Maler zu bitten, sein Bild auf die Größe einer Briefmarke zu begrenzen. Unsere Philosophie wächst und entwickelt sich kontinuierlich weiter und wird von jeder Erfahrung bei der Weinbergsarbeit, jeder klimatischen Herausforderung und jedem Austausch mit einem anderen Winzer beeinflusst.

Seit 6 Generationen haben wir uns dem Rothenberg, unserem “Haus-Berg”, verschrieben und unser Antrieb ist es, diesem einzigartigen und herausfordernden Berg gerecht zu werden. Seit 130 Jahren finden wir fast jeden Tag ein weiteres Stückchen dieses spannenden Puzzlespiels. Wenn ich dieses Stück Land auch nur einen Hauch besser an meine Kinder weitergeben kann, als ich es übernommen habe, war meine Philosophie gut. Bis dahin ist sie “work-in-progress”.

Der Rothenberg und sein Boden machen den Unterschied.

Was macht Ihnen an der Arbeit mit Wein die größte Freude?

Die Vielseitigkeit in seiner Entstehung und die Möglichkeit andere Menschen mit dem Produkt unsere Arbeit zu begeistern und Ihnen etwas über uns und unser Land zu erzählen.

Was war Ihr bisher größtes Erfolgserlebnis mit dem Weingut Gunderloch?

Unser Augenmerk liegt nicht auf dem Sammeln von Titeln und Trophäen. Wir wollen Menschen mit unseren Weinen begeistern und dabei uns selbst treu bleiben – dass das mehr und mehr ankommt und dass wir von vielen Medien als Spitzenbetrieb eingeordnet werden, erfüllt uns natürlich trotzdem mit Stolz und Freude.

Ein konkretes Highlight in diesem Kontext ist, dass unser Wein zur Verleihung des Friedensnobelpreises ausgeschenkt wurde.

Als ich Kind war, waren wir mal auf einem Festival eingeladen. Kevin Kostner war der Stargast des Abends und unsere Weine wurden bei dem Menü ausgeschenkt. Im Laufe der Veranstaltung ist er zu uns an den Tisch gekommen und hat meinen Vater um ein Autogramm auf einer Flasche Wein von uns gebeten. Das hat zwar nichts mit mir direkt zu tun, hat mich aber nachhaltig beeindruckt.

Womit sollen Weintrinker den Namen Gunderloch verbinden?

Eigenständige Weine, die es verstehen Ihre Herkunft auf genussvolle Art zu zeigen und mit viel Respekt vor der Natur entstanden sind.

Johannes Hasselbach übernimmt selbst die Qualitätskontrolle.

Gibt es eine Anekdote aus Ihrem Winzerleben, die Sie gerne erzählen?

Direkt nach meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre bin ich mit meiner damaligen Freundin (und heutigen Frau) auf eine einjährige Wein-Weltreise aufgebrochen. Wir arbeiteten mit Weingütern in Kanada, Chile, Neuseeland und Australien.

Die Erfahrungen, Inspirationen und Freundschaften, die wir von dieser Reise mit nach Hause brachten, waren prägend und motivierend zugleich. Die Chance sich gedanklich und auch räumlich von unserem Mikrokosmos in Nackenheim zu lösen, hat es uns ermöglicht, andere Blickwinkel zu erlangen und neue Wege zu gehen.

Gibt es einen Gunderloch Wein, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Naturgemäß ist das unser Grosses Gewächs aus dem Nackenheimer Rothenberg. Wenn wir es schaffen die  Eigenständigkeit und den Charakter dieses Weinberges in einer Flasche Wein zu repräsentieren haben wir vieles richtig gemacht.

2019 Rothenberg Riesling GG – das Aushängeschild des Weingut Gunderlochs

Gibt es einen anderen Winzer, den Sie besonders schätzen?

Meine Schwester Stefanie und Ihr Mann Alwin Jurtschitsch machen wunderbare Weine in Langenlois, Österreich. Bis zu einem Auslandspraktikum im Weingut Jurtschitsch wollten Stefanie und ich das Weingut unserer Eltern gemeinsam fortführen. Wie die Geschichte weiterging, brauche ich glaube ich nicht zu erzählen…

Der Austausch und die gemeinsame Begeisterung für den Weinbau hält die Familienbande auch über 800 km eng beisammen. Gegenseitige Inspiration und Kooperation sind darüber hinaus auch eine intensive Quelle für neue Ideen und Ansätze.

Haben Sie für das Weingut Gunderloch eine Vision für die kommenden Jahre?

Mit einer harmonischen Betriebsübernahme, der Modernisierung unseres Denkmalgeschützen Weingutes und der (in Umsetzung befindlichen) Umstellung auf ökologischen Weinbau habe ich schon einige wichtige Häkchen setzten können.

Trotzdem bleibt der Weg das Ziel und das lebenslange Lernen wird Ansporn bleiben. Gerade auf der Ebene der Nachhaltigkeit sehe ich noch deutliches Potential, unser Schaffen zu optimieren, aber auch andere Menschen durch unseren Wein als Botschafter diese Idee zu inspirieren.

Gibt es einen Traum, den Sie als Winzer noch verwirklichen möchten?

Als Landwirte und Winzer spüren wir Veränderungen sehr schnell und unser Schaffen wird von der Natur und dem Markt bestimmt. Ich träume manchmal davon, irgendwann selbst die Kontrolle zu haben und die Arbeit, die Freizeit und den Aufwand selbst steuern zu können. Auf der anderen Seite ist es genau das, was den Beruf so spannend und abwechslungsreich macht. Ich glaube über diese Frage muss ich noch etwas nachdenken…

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