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Sonne allein macht keinen guten Wein.
Sonst würden die besten Weine am Äquator wachsen

Der Weltrebengürtel

Weinbau findet aus klimatischen Gründen nur auf zwei schmalen Gürteln auf der Erde statt. Der größere befindet sich auf der nördlichen Halbkugel und verläuft ungefähr zwischen dem 40. und 50. Breitengrad. Auf ihm liegen die großen europäischen Weingärten sowie die nordamerikanischen Anbauzonen.

Der kleinere Gürtel zieht sich wie ein schmales Band zwischen dem 45. und 30. Grad um die südliche Hälfte der Erde. Er umfaßt Weinbauländer wie Chile, Argentinien, Südafrika, Australien und Neuseeland. Dazwischen ist Weinbau praktisch nicht möglich. Es ist zu heiß, um Reben anzubauen, meist sind auch die Niederschläge zu gering. Die wenigen Weine, die dort wachsen, zeichnen sich durch einen hohen Alkoholgehalt aus, dagegen fehlt es ihnen an Feinheit und Frische.

Beispiel: die nordafrikanischen Rotweine
Ihres hohen Alkoholgehalts und der dunklen Farbe wegen werden sie vor allem zum Verschneiden mit leichteren und farbschwächeren europäischen Weinen benutzt. In anderen Zonen südlich des Rebengürtels hat man sich auf die Erzeugung alkoholreicher Likörweine spezialisiert: etwa den spanischen Sherry, den portugiesischen Madeira, den Marsala aus Sizilien, die griechischen Likörweine aus Patras und von der Insel Samos oder einige süße Dessertweine aus Zypern. Für sie sind die klimatischen Bedingungen in diesen Breiten ideal. Aber es gibt auch Ausnahmen: Liegen die Rebpflanzungen in höheren Lagen (etwa im 1000 Meter hohen Bekaa-Tal im Libanon, auf den 800 Meter hohen Golan-Höhen in Israel oder 500 Meter hoch im sizilianischen Bergland), so lassen sich sogar südlich des 40. Breitengrades, also außerhalb des Rebengürtels, noch feine Weine erzeugen.


Grenzen des Weinbaus
Nördlich des 50. Breitengrades fehlt es meist an Licht und Wärme, um die Reben gedeihen zu lassen. Es besteht die Gefahr, dass die Trauben nicht reif werden, der Wein sauer bleibt. Dort ist Weinbau nur noch in besonders begünstigten Hang- oder Tallagen möglich. Winzer sprechen von ökologischen Nischen. In Deutschland gibt es solche Nischen zum Beispiel im Tal der Ahr, am Mittelrhein zwischen Bonn und Rüdesheim oder in den nördlichen Ausläufern des Steigerwaldes (Franken). 1300 Sonnenstunden im Jahr sind das Minimum, das nötig ist, damit die Trauben reif werden. Das entspricht etwa einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9° C (Berlin zum Vergleich: 8,5° C).


Risikofaktor Spätfrost
Außerdem sind in der Vegetationsphase (März bis Juli) wenigstens 20 000 Lux vonnöten, damit die Rebe assimilieren kann. In der Nähe von Gewässern, die das Licht reflektieren, wird dieser Wert auch bei bedecktem Himmel erreicht. Die häufigen Spätfröste (etwa während der Eisheiligen) und die kalten Winter (die europäischen Reben halten Minustemperaturen bis 20° C aus) stellen für den Weinbau nördlich des europäischen Rebengürtels ein zusätzliches Risiko dar. Durch die Züchtung frostharter Sorten (z. B. Kerner) soll dieses Risiko gemindert werden. Allerdings haben diese Sorten sich kaum durchgesetzt.


Vorteile der Peripherie
Bemerkenswert ist, dass gerade am Rande des Rebengürtels oftmals besonders interessante Weine wachsen. So verdankt der Champagner seine Feinheit nicht zuletzt der Tatsache, dass er nahe der Rebengrenze am 47. Breitengrad wächst. Dort ist es zwar tagsüber warm, aber nachts sinken die Temperaturen stark ab. Die großen Temperatursprünge sorgen dafür, dass die Säure erhalten bleibt. Sie gibt dem Champagner das, was ihn gegenüber vielen anderen Schaumweinen auszeichnet: Finesse. Die Temperatur liegt dort bei nur 10° C im Jahresdurchschnitt – gerade ein Grad über dem Minimum. Die Leichtigkeit des deutschen Rieslings und seine hohe Säure ist ebenfalls eine Folge der nördlichen Grenzlage der Weingärten an Mosel und Rhein (50. Breitengrad). Ähnlich auf der südlichen Hälfte der Erdkugel. In Australien verlagert sich der Weinbau zunehmend an den kühleren Rand des Rebengürtels nach Süden. In Neuseeland kommen die feinsten Weißweine von der kühleren Südinsel.


Hauptproduktion
Die Produktionsstatistik der Weinerzeugenden Länder zeigt, dass aus den Hauptrebengürteln im Norden und Süden der Erdkugel fast 98 Prozent der Weltweinproduktion kommen. Außerhalb dieser Anbauzonen wird nur wenig Wein erzeugt.