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Die Rebe ist eine besonders anspruchsvolle Pflanze. Sie braucht viel Aufmerksamkeit und Pflege und wenig Chemie.

Die Weinbergsarbeit

Der Rebschnitt
Früher wurden die Reben im Januar und Februar beschnitten. Heute fängt man bereits im Dezember an, wenn die Temperaturen unter Null gesunken sind. Und die Rebpflanze ihren Stoffwechsel eingestellt hat. Dabei werden die inzwischen verholzten Sommertriebe abgeschnitten - bis auf einen oder zwei. An diesen sollen sich im nächsten Jahr die Sommertriebe entwickeln. Im Februar und März wird dann gegertet. Die belassenen Triebe werden halbbogenförmig an den Draht gebunden. Aus ihren Winteraugen entstehen die neuen Triebe.

Pflügen
Im März, wenn die Temperaturen ansteigen, wird der Boden zwischen den Rebzeilen tief gepflügt ("rigolen") Die Erde muss gelockert werden. Die unteren Bodenschichten brauche Luft, damit die Mikroorganismen sich entwickeln können und Feuchtigkeit gespeichert wird. Später, im Juni, wird ein zweites Mal gepflügt. Diesmal geht es darum, das wilde Kraut, das inzwischen in den Rebzeilen wuchert, unterzupflügen ("mulchen"). Es nimmt den Reben Nährstoffe und Oberflächenwasser weg. Im Boden dient das Grün der Humusbildung. Viele Winzer ersparen sich das Mulchen durch die Verwendung von chemischen Unkrautvertilgungsmitteln. Der Nachteil: Durch sie verschwinden auch wichtige Insekten und Bodenbakterien aus dem Weinberg.

Düngung
Um hohe Erträge im Weinberg zu erreichen, führen viele Winzer dem Boden gezielt Dünger zu. Organischer Dünger in Form von Stallmist, Jauche, Klärschlamm und Kompost dient vor allem der Bildung von Nährhumus. Mineralischer Dünger, in der Umgangssprache Kunstdünger genannt, soll die erschöpften Bodenreserven an Stickstoff, Kalzium, Phosphor und Spurenelemente ersetzen.
Qualitätsorientierte Winzer, die nur geringe Erträge anstreben, können ganz auf die mineralische Düngung verzichte oder beschränken sie, je nach Bodenart, auf ein Minimum: kleine Gaben alle drei Jahre. Ersatzdüngung lautet der Fachausdruck. Sie dient lediglich dazu, dem Boden zurückzugeben, was die Pflanze ihm entnommen hat.

Laubarbeiten
Besonders schnell wachsende Triebe müssen an den Spitzen gekürzt werden. Sie verbrauchen mehr Energie als sie produzieren können. An anderen Stellen des Rebenspaliers muss das Blattwerk immer wieder ausgedünnt werden. Außerdem werden Wasserschosse (Triebe, die aus dem alten Holz sprießen) entfernt und die Spitzen der Geiztriebe gekürzt.

Schädlingsbekämpfung
Reben sind sehr anfällig gegen Pilzkrankheiten und Insektenbefall. Werden diese Schädlinge nicht bekämpft, fallen ihnen die ganze Ernte oder Teile davon zum Opfer. Deshalb muss der Winzer spätestens ab Juni aufpassen, ob seine Reben von Schädlingen befallen werden. In den letzten Jahrzehnten hat es sich eingebürgert, die Reben vorsorglich zu spritzen, wobei chemisch-synthetische Mittel benutzt werden mussten, die ein breites Spektrum von Lebewesen vernichteten: Schädlinge ebenso wie Nützlinge.

Keine vorbeugende Bekämpfung
Heute gehen immer mehr Winzer von der vorbeugenden Bekämpfung ab und versuchen, nur noch zu spritzen, wenn die klimatischen Bedingungen einen Schädlingsbefall befürchten lassen. Pilzbefall (Echter und Falscher Mehltau) kann durch meteorologische Messungen ziemlich sicher vorausgesagt werden. Gegen die Gefahr des Sauerwurms können Pheromonfallen im Weinberg aufgehängt werden und so ein Frühwarnsystem installiert werden, das den Flug der gefährlichen Motte des Sauerwurms vorhersagt. Für andere Schädlinge, wie die Schwarzflecken-Krankheit oder den Roten Brenner, lassen sich ebenfalls vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Ökologische Maßnahmen
1. Kein mineralischen, nur organischen Dünger verwenden (Mist, Gülle) und von ihm auch nur sehr geringe Gaben im Weinberg ausbringen
2. Begrünung der Weinberge (lockert den Boden verhindert Erosion, dient durch späteres Unterpflügender Humusbildung)
3. Verzicht auf Unkrautvernichtungsmittel. Spritzungen mit synthetischen Pilz- und Insektengiften nur bei konkretem Schädlingsbefall, nicht als Vorbeugung
4. Versuch, auf synthetische Gifte ganz zu verzichten, kleine Ertragseinbußen in Kauf nehmen, ggf. mit organischem Netzschwefel und Kupfersulfat ("Bordelaiser Brühe") spritzen
5. Zusätzliche Spritzungen mit Gesteinsmehl dienen der Abhärtung
6. Viel Zwischenraum zwischen den Rebzeilen lassen, damit der Weinberg gut "belüftet" ist (verhindert Pilzbefall).