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Obwohl es in der Standardweinliteratur zum festen Repertoire gehört, hört man doch immer wieder die gleiche Frage: Wie lagert man Wein eigentlich korrekt? Vielleicht überliest man es leicht, weil die entscheidenden Absätze zu diesem Thema zumeist ganz am Ende der Bücher zu finden sind, wo der geneigte Leser dann schon allmählich aufgegeben hat. Aber kein Problem, Winelog, der Blog für alle Lebensfragen in Sachen Wein, gibt Antwort.

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Nur so zum Einstieg – der uralte Keller des Klosters Eberbach Foto: Flickr | Romtomtom
Das richtige Lagern von Wein ist im Prinzip ganz leicht, zumindest theoretisch, in der Praxis zerschellt das frisch erworbene Wissen dann zumeist am unzulänglichen Umfeld. Wein lagert am besten bei einer konstanten Temperatur von 12 Grad – ganzjährig. Schwankungen von +/- 2 Grad können dabei getrost ignoriert werden. Die Betonung liegt allerdings auf konstant, die Rechnung im Sommer 18 Grad, im Winter 6 Grad, geteilt durch 2 macht auch 12 ist dabei keineswegs zielführend, sondern dürfte eher zum Ruin der Weinschätzchen führen. Massive Temperaturschwankungen mag Wein nämlich überhaupt nicht. Wein sollte im Prinzip liegend lagern, auf das „im Prinzip“ kommen wir gleich noch zu sprechen. Liegend deshalb, damit der Wein im Kontakt mit dem Korken steht und diesen feucht hält. Kork ist ein Naturprodukt und kann beim Austrocknen schrumpfen, was die Durchlässigkeit des Sauerstoffs erhöht, und der ist in höheren Dosierungen ja des Weines Feind. Kommen wir aber zurück auf das „im Prinzip“: Forschungen unter anderem in Geisenheim haben ergeben, dass die Luftblase zwischen Wein und Korken an und für sich bereits genug Feuchtigkeit enthält, um den Korken elastisch zu halten. Mit diesen Erkenntnissen im Rücken könnte der Wein also auch stehend gelagert werden. Dadurch dass der Wein nicht mehr in unmittelbarem Kontakt mit dem Korken stehe, so die Forscher, werde auch der Korkfehler minimiert. Nun ja, so ganz ausgereift scheint dies aber nicht zu sein, zumal auch Erfahrungen des Verfassers dieser Zeilen durchaus eine andere, wenig genussvolle Sprache sprechen. Übrigens, dass Wein liegen sollte (oder zukünftig vielleicht dann doch nicht), liegt ausschließlich am Kork. Dem Wein selbst ist es ziemlich egal, ob er steht oder liegt. Flaschen mit alternativen Verschlüssen wie Schraub- oder Glasverschluss können daher auch getrost stehend gelagert werden.

Die Luftfeuchtigkeit im Keller sollte bei ca. 75 % liegen, hier können aber Schwankungen von 5 bis 10 % nach oben oder nach unten toleriert werden. Diese Luftfeuchtigkeit wiederum ist wichtig – genau – für den Korken. Wein liebt es, ähnlich wie der Mensch, wenn er erholsamen Schlaf sucht, im Dunklen zu liegen. Ständiges Licht kann ihm schaden. Besonders Schaumweine, das ist nachgewiesen, büßen im Lichte ruhend innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich an geschmacklicher Substanz ein. Und frei von Erschütterungen sollte er liegen, was die Positionierung eines Weinkellers neben einer viel befahrenen Bahnstrecke eigentlich verbietet. Ein weiteres „No-Go“ ist die Lagerung neben geruchsintensiven Behältnissen, etwa einer Kartoffelkiste oder einem Öltank. Wein ist in diesem Punkt sehr empfindlich und neigt dazu, Fremdgerüche zu absorbieren, was natürlich zu ganz überraschenden Geschmackserlebnissen führen könnte. Mit anderen Worten, das Umfeld, in dem Wein gelagert werden soll, sollte geruchsneutral sein. Und das wäre es auch schon, mehr verlangt der Wein eigentlich nicht.

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Und so könnte es nach 50-60 Jahren aussehen
Doch schon hört man Stimmen, die sagen, unmöglich, in meiner Bleibe seien diese Bedingungen nicht annähernd erfüllbar. Kein Problem, der Fachhandel hält sogenannte Weinklimaschränke mit unterschiedlichen Fassungsvermögen bereit, zu denen man bedenkenlos greifen kann, vorausgesetzt man hat den entsprechenden Stellplatz. Wer nur seine Kostbarkeiten darin lagern will, ohne dass man mit dem Inhalt Besucher auch optisch beeindrucken möchte, kann sich ein schlichtes Modell auswählen, das schlägt keinen so großen Krater in die Geldbörse. Es muss auch kein Klimaschrank mit unterschiedlichen Temperaturzonen sein. Für die Top-Gastronomie mag das sinnvoll zu sein, für zu Hause reicht ein Schrank der 12 Grad über alle Ebenen kontinuierlich halten kann. Übrigens, wer nur Weinvorräte für 1 oder 2 Monate anlegt, braucht weder Keller noch Klimaschrank.

Titelbild; Klassisches Kellerregal – erst bei größeren Weinkollektionen sinnvoll Foto: Flickr | Pixel0908

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