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Leichter Sommerwein, der glücklich macht

Vinho Verde gehört zu den frühesten Weinerfahrungen, an die ich mich erinnern kann. Damals war es ein Freund der Familie, der regelmäßig seine Sommerurlaube an der Algarve verbrachte und immer ein paar Flaschen mit nach Hause brachte. Zu dieser Zeit wurden die meisten Vinho Verde noch in Boxbeutel-Flaschen abgefüllt, wie der damals allgegenwärtige Mateus-Rosé, der ebenfalls aus Portugal stammt. Irgendwann hatte der Freund seinen Lebensmittel- und Weinhändler dann dazu überredet, den Wein direkt zu importieren und so gab es bei uns diesen erfrischenden, spritzigen und leicht moussierenden Wein häufiger. Vinho Verde ist für mich seit dieser Zeit das Sommergetränk par excellence.

Woher stammt der Name Vinho Verde?

Doch wo kommt dieser Wein eigentlich genau her und warum wird er grüner Wein genannt? Das hat wenig mit der Farbe zu tun, denn Vinho Verde ist farblich eher blass, hat selten grüne Reflexe und wird auch als Rosé oder Rotwein angeboten. Es läge auf der Hand, den Wein so zu nennen, weil er früh gelesen wird, gerade so an der Grenze zur Reife, wo die Aromen von Limetten und grünen Äpfeln noch dominieren. Aber auch das ist bei der Rosé- oder Rotweinvariante nicht der Fall. Es ist vielmehr die Region, auf die dieser Name verweist. Vinho Verde stammt aus der portugiesischen Region Minho, die ihren Namen vom Grenzfluss erhalten hat, der den Staat im Norden von Spanien trennt. Die Region ist grüner, denn sie ist regenreich und kühler als die benachbarte Region am Douro, wo Portweine entstehen. Minho wird von mehreren Flüssen durchzogen, die alle in den Atlantik fließen. An den Hängen der Flüsse wie auch im Flachland steht ein Meer voller Reben. Wein wird in dieser Region schon seit Urzeiten kultiviert, belegt ist der Anbau allerdings erst seit dem 12. Jahrhundert. Zumindest findet sich eine Originalhandschrift aus dem Jahr 1172, in der Afonso Henrique den Bürgern von Bouças den Anbau von Reben erlaubt. Heute ist die Region, die sich geografisch mit der DOC Vinho Verde komplett deckt, die größte Weinregion in Portugal. Auch wenn der Vinho Verde besonders gerne im eigenen Land genossen wird, ist dieser Wein auch im Ausland beliebt. Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist England ein wichtiges Absatzland, doch mittlerweile hat man die Qualitäten des alkoholarmen und immer günstigen Weißweins mit dem leichten Mousseux auch in Deutschland und den USA entdeckt.

Viele Rebsorten und kleine Regionen machen den Vinho Verde aus

Prägnant für den Vinho Verde ist die hohe Säure des Weins, die auf die frühe Lese zurückzuführen ist, genauso aber auch auf die hohe Grundsäure der wichtigsten Rebsorte, Alvarinho. Diese wird unter dem Namen Albariño auch auf der spanischen Seite der Grenze, in der Region Rias Baixas angebaut. Dort wird sie gerne als iberischer Riesling bezeichnet, denn bei dieser Sorte treffen ausgeprägte Aromen und deutliche Säurestruktur aufeinander. Ergänzt wird der Alvarinho durch die florale Sorte Loureiro, die mittlerweile immer häufiger auch reinsortig ausgebaut wird, die stahlige Trajadura, den mineralischen Arinto und der cremigen Avesso. Zusammen bilden sie aromatischen Wein, der immer auch knackig und erfrischend bleibt. Das wiederum liegt auch daran, dass er traditionell leicht schäumt. Früher hat man ihn schon abgefüllt, als er noch nicht zu Ende gegoren war, so dass der Vinho Verde in der Flasche nachgegoren ist, heute setzt man bewusst ein wenig Kohlensäure zu. Auch wenn es mittlerweile einige größere Kellereien in der DOC Vinho Verde gibt, sind es doch immer noch über 30.000 Winzer mit teils sehr kleinen Weingärten, die dort ihren Reben pflegen und sie oft in einer alten Pergola-Erziehung mehr als mannshoch in die Luft wachsen lassen, so dass die Trauben per Hand und per Leiter geerntet werden.

Ein ausgezeichneter, sommerlicher Essensbegleiter

Vinho Verde wird in Portugal zu allen Gelegenheiten ähnlich wie das heimische Bier Sagres genossen. Vor allem aber ist Vinho Verde der klassische Begleiter des Nationalgerichtes Bacalhau, des Stockfischs. Auf Grund der präsenten Säure eignet sich dieser Wein ebenso als Begleitung zu Schalen- oder Krustentieren, zu marinierten Speisen und zu Käse wie Cheddar, Ziegenkäse oder auch zu Handkäs. Vor allem aber punktet dieser Wein bei mir, wenn ich ihn bei sommerlicher Hitze gut gekühlt aus dem Kältefach hole und ihn in leiser Vorfreude auf den Terrassentisch stelle, um zu beobachten, wie das Kondenswasser eine perlige Struktur auf der Flasche bildet. Erst dann öffne ich den Verschluss, schenke ein und lasse den ersten, leicht schäumenden Schluck die Kehle herunter rinnen. Das ist immer wieder ein glücklich machender Moment.

Titel: Brücke und Abtei von Amarante

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