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Zwei Seiten der Rioja unter einem Dach

Zunächst einmal stolpert man unwillkürlich über den Namen: C.V.N.E. Was mag das sein und wie wird es ausgesprochen? Ist der Name römisch beeinflusst oder alt-kastilisch? Weder noch, es ist vielmehr die Abkürzung für die Compañía Vinícola del Norte de España, also so etwas wie die Weinkompagnie Nordspaniens, die auch ganz einfach ausgesprochen wird, nämlich Cune. Gegründet wurde die Compañía 1879 von den Brüdern Raimundo und Eusebio Real de Azúa, deren Nachfahren immer noch im Besitz des Weinguts sind.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts markiert den ersten großen Aufstieg des Weinbaugebietes Rioja. Das hat viel mit der Reblausplage zu tun, die damals fast flächendeckend die mitteleuropäischen Weinberge zerstört hat, jedoch nur wenig Schaden in der Rioja anrichten konnte. Damals haben einige Entrepreneure die Chance genutzt, die ersten modernen Weine in Spanien zu vinifizieren. Sie taten das im Schulterschluss mit einigen Winzern, die aus dem Bordelais nach Spanien gekommen waren oder auch, weil sie selbst im Bordelais Erfahrung gesammelt hatten.

Der Aufstieg eines Traditionalisten

Im Gegensatz zum französischen Weinstil, der maßgeblich von französischen Rebsorten beeinflusst war und sich beispielsweise in Navarra gehalten hat, setzten die Brüder Real de Azúa auf die heimische Rebsorte Tempranillo. Genauso taten es übrigens die heute ebenso berühmten Erzeuger López de Heredia (Viña Tondonia), Marquéz de Riscal, Rioja Alta oder Marquéz de Murrieta. Schnell entwickelte sich ein Weinbauverband, der sich selbst die ersten Richtlinien zur Qualitätssicherung auferlegte, die es in Spanien gab – was bis heute die Grundlage des Erfolgs der Weine aus der Rioja sein dürfte. Mit dem internationalen Renommee der Weine von Cune wurde investiert. Beispielsweise hat man 1890 Gustave Eiffel beauftragt, eine freitragende Deckenkonstruktion für den Weinkeller zu entwickeln, der die Arbeit im Keller deutlich vereinfacht hat. 1915 hat man mit dem Monopole den ersten weißen Marken-Rioja veräußert und zu Beginn der 1920er mit Viña Real ein zweites Weingut gegründet – diesmal in der Rioja Alavesa.

Cune als Innovationsmotor

Neben einer Reihe prägender Weine wie dem Imperial und der neuen Linie Real de Azúa hat man bei Cune vor allem technische Standards gesetzt. Nach dem von Eiffel konstruierten Keller hat man 1941 mit El Carmen den ersten spanischen Keller für große, mit Epoxyd-Harz ausgekleidete Beton-Tanks gebaut. 1989 folgte mit El Pilar der erste Keller, der von der Traubenannahme bis zum ersten fertigen Wein auf dem Prinzip der Gravität beruht. Diese Art der Steuerung schont das Traubenmaterial und den Rebsaft, denn die Weine müssen nicht mehr gepumpt werden. 2004 schließlich hat die Familie mit dem Neubau des Bodega Viña Real sowohl architektonisch als auch technisch einen neuen Standard in der Rioja gesetzt, der König Juan Carlos damals dazu bewogen hat, das Weingut persönlich einzuweihen.

Mit der Einweihung des neuen Real-de-Azúa-Kellers 2005 gehört Cune heute zu den modernsten und gleichzeitig traditionsreichsten Weingütern der Rioja. Während die Gran Reservas Imperial für pure Eleganz und legendäre Lagerfähigkeit stehen, glänzt man bei Viña Real mit fruchtbetonten, sich mit der Zeit immer feiner entwickelnden Crianza und Reserva.

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