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Svenja Schwieger reist durchs Napa Valley

Tag 3: Heitz und Stag’s Leap

Weiter geht es mit kalifornischer Weingeschichte. Die Heitz Wine Cellars und die Stag’s Leap Wine Cellars gehören ebenso zum amerikanischen Weintraum wie Mondavi. Und so wie Robert Mondavi hat auch Joe Heitz seinen Weinkeller in den 1960er Jahren gegründet. Joe Heitz hatte an der University of California in Davis Önologie studiert. 1961 erwarb er einige erste Fässer Chardonnay und Pinot Noir, baute sie selbst aus, machte Cuvées und verkaufte sie mit Erfolg. Das stachelte ihn an, selbst Wein zu erzeugen. So erwarb er selbst einige Hektar und schloss er einen Vertrag mit Tom und Martha May, um aus deren Weinberg, dem so genannten Martha’s Vineyard, reinsortigen Cabernet zu erzeugen. Joe war der erste amerikanische Weinmacher, der den Weinberg aufs Etikett gedruckt hat und die Heitz‘ Martha’s Vineyard Cabernets sind längst in der Hall of Fame. Ich saß mit Kathleen und Harrison Heitz ganz gemütlich am Holztisch in der guten Stube und habe in Ruhe diese Weinlegenden probieren können. doch nicht nur das. Joe hatte ein Faible für Grinolino, eine Sorte, die eigentlich aus dem Piemont stammt und die irgendein Einwanderer mal nach Kalifornien gebracht hat. Grinolino hat nur wenig Farbe und wird oft als Rosé ausgebaut. Und so war es auch bei Heitz.

In die Hall of Fame hat es auch der Cabernet des Stag’s Leap Wine Cellars geschafft. Wie der Cabernet von Heitz, war auch der Stag’s Leap Cabernet beim Judgement of Paris. Ja, er war sogar der höchst bewertete Wein jener Verkostung, bei der 1976 zum ersten Mal überhaupt kalifornische Gewächse gegen die besten Weine aus Frankreich antraten. Der 1973er Stag’s Leap lag damals knapp vor einem 1970er Mouton-Rothschild.

Das Weingut, das nach dem Stag’s Leap District benannt ist, wurde 1970 von Warren Winiarski gegründet. Der stammt aus Chicago und hat sich während eines Studienaufenthalts in Italien zum ersten Mal tiefergehend mit Wein beschäftigt. Als er zurückkam, wusste er, dass er seine eigentlichen Pläne über den Haufen werfen und Wein machen würde. Er ging ins Napa Valley, lernte Wein zu machen und konnte ein Stück Land erwerben, das direkt neben dem Weinberg von Nathan Fay lag. Der gehört zu den Pionieren modernen Weinbaus in Kalifornien. Er war Spezialist im Weinberg, verkaufte seine Trauben, machte aber immer auch einen Wein für sich selbst. Winiarski war extrem angetan von Fays eigenem Wein und wusste, dass er die richtige Stelle gefunden hatte. Der erste S.L.V. (Stag’s Leap Vineyard) aus den 1970 angepflanzten Cabernet-Rebstöcken war der 1973er Jahrgang. Winiarski hat also zum Judgement of Paris seinen ersten Jahrgang geschickt und mit diesem Wein von ganz jungen Reben und als blutjunger Weinmacher die Erzeugnisse von Mouton, Latour und Haut-Brion auf die Plätze verwiesen. Kein Wunder, dass die renommierten französischen Verkoster, die damals am Tisch saßen, dieses Tasting lieber totschweigen wollten. Stag’s Leap konnte 1986 den benachbarten Fay Vineyard dazu erwerben. Die Weine aus dem Fay Vineyard werden mittlerweile genauso gefeiert wie die S.L.V. Was ich natürlich auch probieren konnte, ist der Hand of Time. Auf jedem Etikett ist ein Handabdruck abgebildet. Und die Abdrücke findet man im Weinkeller. Es ist ein Abdruck jedes Weinmachers, der im Laufe der Geschichte von Stag’s Leap mit eigenen Händen Wein gemacht hat. Eine schöne Idee, finde ich.

Rutherford Wine Company und Raymond Vineyards

Auf dem Weg von der einen zur nächsten Legende standen aber noch zwei weitere Besuche an. Die Rutherford Wine Company ist ein Verbund aus sieben einzelnen Weingütern. Für Kalifornien, wo viel größer gedacht wird, als bei uns, ist das völlig normal. Während hier in Deutschland immer noch viele Familienbetriebe Wein auf einigen wenigen Hektar anbauen, ausbauen und oft ab Hof verkaufen, findet man das in Kalifornien praktisch gar nicht. Es gibt viele Familien, die Land besitzen, Trauben anbauen und die dann an Weingüter verkaufen. Diese verfügen oft selbst über große Flächen oder verlassen sich komplett auf die Qualität ihrer Traubenbauern, mit denen sie langfristige Verträge schließen. Bei Rutherford und Raymond werden ganz normale Weine erzeugt, während Heitz und Stag’s Leap natürlich in die Spitzenklasse gehören. Bei Betrieben wie Rutherford suchen wir nach Weinen, die Kalifornien in ihrer ganzen Bandbreite repräsentieren, die gut bezahlbar sind und die wir dann mit großem Spaß anbieten. Ich war vor allem auf der Suche nach einem neuen Zinfandel für das Hawesko-Programm und bin bei Rutherford fündig geworden.

Bei Raymonds gab es dann noch richtig Showbiz. Man kann dort in plüschig-barocken, kalifornisch-französischen Atmosphäre sein eigenes Wineblending machen, also aus einer ganzen Reihe von Basisweinen die eigene Cuvée zusammenstellen. Raymonds gehört zu Boisset, einem französischen Familienunternehmen, das aus der Bourgogne stammt und dort auch bis heute Wein erzeugt. Jean-Charles Boisset hat sich bei Raymond mal so richtig ausgetobt und wirklich alles bunt gemixt. So gibt es neben dem parkähnlichen Garten im französischen Stil einen Wartebereich für Hunde, die dort bestens versorgt werden während Herrchen oder Frauchen probieren gehen. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass neben der ganzen Animation auch wirklich gute Weine präsentiert werden.

Fotos © Svenja Schwieger

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