Inglenook_chateau

Svenja Schwieger reist durchs Napa Valley

Der Besuch in Kalifornien ist für mich immer ein Besuch meiner zweiten Heimat. Ich habe eine Zeit lang dort gelebt, habe dort Freunde und viele Kontakte. So freue ich mich nicht nur auf den Besuch der Weingüter, sondern bekomme immer aus erster Hand mit, was sich kulinarisch verändert und wo ich unbedingt mal hingehen sollte.

Dieser road trip begann jedoch ein wenig anders, als erwartet, nämlich mit einem Flugausfall. So musste ich ganz kurzfristig Besuche verlegen und hatte von Anfang an ein strammes Programm. Vier, fünf Weingüter täglich, intensive Gespräche, Verkostungen, ein kurzes Lunch zwischendurch und die Weiterfahrt zum nächsten Weingut fordern – doch wird man entlohnt mit Herzlichkeit, Gastfreundschaft und tollen Weinen.

Tag 1: Inglenook

Schon der erste Besuch war eines dieser Highlights. Inglenook gehört dem Filmemacher Francis Ford Coppola. Coppola ist nicht einfach nur einer dieser Celebrities, die sich ein Weingut gekauft haben, für ihn ist Weinmachen eine große Leidenschaft. Er hat das Weingut in den 1970ern mit dem Geld gekauft, das er mit der Verfilmung des Paten verdient hatte. Inglenook ist eines der ältesten Weingüter im Napa Valley und wurde im 19. Jahrhundert vom finnischen Kapitän Gustave Niebaum gegründet. Lange Zeit hieß das Weingut Niebaum-Coppola und mittlerweile hat es seinen alten Namen zurück. Hier entsteht der Rubicon, einer dieser Icon-Weine des Napa Valleys, mittlerweile in den Händen von Philippe Bascaules entsteht, der viele Jahrgänge Margaux verantwortet hat. Der nette Herr, der mir den Estate gezeigt hat, wollte mir während des Rundgangs unbedingt eines der großen Weinfässer von innen zeigen. Leider war das Fass voll und ich stand genau in der Schusslinie. So habe ich den Rest des Rundgangs komplett durchnässt absolviert (Nein, keine Bilder…) und musste dem Exportmanager des Hauses später auf seinen fragenden Blick erklären, dass ich nicht an übermäßiger Schweißproduktion leide. Die etwas peinliche Situation jedoch war schnell vergessen, als ich das probieren konnte, was Philippe Bascaules aktuell in Flaschen füllen lässt: Feiner, frisch wirkender, eleganter Spitzenwein, der an Cru Classé erinnert.

Inglenook_Kombi
Foto © Svenja Schwieger

Cardinale Estate

Nachmittags gab es einen kleinen Abstecher zu Cardinale Estate um Cardinale, La Jota, Mt. Brave und Lokoya zu probieren. Diese Wineries gehören alle zur Gruppe der Jackson Family Estates. Die Jackson Familie ist Anfang der 1980er vor allem mit einem speziellen Chardonnay bekannt geworden, dem Kendall-Jackson Vintner’s Reserve Chardonnay. Den Erfolg hat die Familie genutzt, um Weingüter zu erwerben und neu aufzubauen. Ganz besondere Weine entstehen in den Höhenlagen rund um das Napa Valley. Diamond Mountain, Howell Mountain, Mount Veeder und Spring Mountain heißen die Bereiche, die in den USA AVAs genannt werden. Diese American Viticultural Areas sind in gewisser Weise vergleichbar mit den AOCs in Frankreich. Die Weine aus den Höhenlagen, die bei Cardinale, La Jota, Verité oder Lokoya entstehen, gehören jedenfalls zur absoluten Spitze dessen, was in Kalifornien heute an Wein gemacht wird. Es sind meist reinsortige Cabernet Sauvignons, die in ihrer Jugend extrem dicht und voll wirken, mit Lagerung aber immer komplexer und offener werden. Diese Cabernets werden häufig schon jung getrunken, sind aber eigentlich dafür gemacht, Jahrzehnte im Keller zu verschwinden.

Fotos © Svenja Schwieger

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