Exklusives Interview mit Gerard Bertrand

 

Gérard Bertrand übernahm 1987, nach dem frühen Tod seines Vaters, die gut gepflegte Familien-Domaine.
Mittlerweile bewirtschaftet Gerard Bertrand 11 Weingüter, als Botschafter für das Languedoc, Südfrankreich und den mediterranem Lebensstil. Die Liebe zum Languedoc, die Liebe zum Wein und die Liebe zur “l’Art de Vivre“- der Kunst zu leben – sind die höchsten Werte für Gérard Bertrand. Das spiegelt sich in seinen Weinen wieder.

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Was hat Sie bewogen, nach dem Ende Ihrer Karriere als Rugby-Profi in die Welt des Weins zu wechseln?

Genau genommen wurde ich erst Winzer und dann Rugby-Spieler. Mein Vater war selber Weinproduzent und hat unser Familienweingut Villemajou in Corbières geleitet. Er diente mir immer als Inspiration. Er führte mich in die Weinherstellung ein, als ich 10 Jahre alt war. Damals sagte er zu mir: „Weil du jetzt damit anfängst, kannst du auf vier Jahrzehnte Erfahrung zurückblicken, wenn du einmal 50 bist.“ Heute nun bin ich 51. Mein Vater starb, als ich 22 war, woraufhin ich zwei Karrieren unter einen Hut bringen musste: die eines Winzers und die eines Rugbyplayers. Nachdem ich es zum Kapitän des Pariser Rugbyteams gebracht hatte, beschloss ich, mich in Zukunft ausschließlich dem Weingeschäft zu widmen.

Was macht die Region Languedoc aus Sicht eines Winzers so einzigartig?

Rund um Narbonne wird bereits seit zwei Jahrtausenden Weinbau betrieben. Für Weinliebhaber birgt dieses Gebiet viele Schätze. Unser mildes Klima verwöhnt uns mit einer einzigartigen Kombination von Eigenschaften: Wir profitieren von 2.400 Sonnenstunden im Jahr und einem fantastischen Mosaik an Terroirs. Ich habe es mir zum Ziel gemacht, das Potential der Ausnahmelagen im Süden Frankreichs zum Beispiel in Les Aspres und in Tautavel im Roussillon – zu erschließen. Schließlich ist Südfrankreich auch durch seine idealen Wetterbedingungen geradezu prädestiniert für den ökologischen Weinbau.

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Wie hat sich das Languedoc in den vergangenen 10 Jahren verändert und welche Entwicklungen erwarten Sie für die kommenden 10 Jahre?

Ich empfand diese Region immer schon als Paradies für den kreativen Winzer und bin überzeugt, dass sich in diesen, dem Boden geduldig und respektvoll abgewonnenen Weinen die Seele dieses Ortes frei entfalten kann. Sie erhalten ausnahmslos internationale Auszeichnungen wie den European Winery of the Year-Preis für herausragende Weinkellereien von Wine Enthusiast und werden in Fachzeitschriften für den Weinliebhaber lobend erwähnt. Die gesamte Region strebt danach, sich einen Namen als Produzent qualitativ besonders hochwertiger Weine zu machen und international für anspruchsvolle Touristen attraktiv zu werden. Das Ziel für die kommenden zehn Jahre besteht darin, Südfrankreich über die Landesgrenzen hinaus als Region zu etablieren, in der die Maßstäbe für moderne und hochkarätige Weine gesetzt werden. Der perfekte Begleiter auf diesem Weg ist unser mediterraner Lebensstil mit seiner typischen Musik, Kunst und Küche und den Weinfestivals, wodurch sich unsere Weine auf vielen verschiedenen Ebenen erschließen lassen.

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Wie sehen Sie die Zukunft von Roséweinen in Frankreich? Welche Trends zeichnen sich Ihrer Meinung nach als nächstes ab?

Roséweine haben in Frankreich einen Marktanteil von 30 % erobert und das Interesse der Verbraucher ist ungebrochen! Gris Blanc steht stellvertretend für diesen Erfolg und feiert immerhin schon sein zehnjähriges Jubiläum: Aus den ehedem für Likörweine verwendeten Grenache Gris-Trauben keltern wir einen sehr hellen Roséwein mit frischem Charakter, der so zart wie ein Weißwein am Gaumen perlt und als ‚Gris Blanc‘ noch den Namen seiner Rebe trägt. Ein absolutes ‚Must-have‘ für französische Tafelfreuden.Ursprünglich galten sie als leichte Modeweine, die speziell die Damen unter den Weintrinkern ansprechen sollten. Doch inzwischen haben sie sich mehr und mehr zu Premiumprodukten gewandelt; diese Weine sind komplexer mit hohem Lagerpotential und richten sich an den anspruchsvollen Weinkenner. Unsere Region mit ihrer großen Auswahl an qualitativ hochwertigen Rebsorten, ihrer Bodenvielfalt und ihrem Klima eignet sich ohne Zweifel optimal für die Herstellung von Roséweinen. Drinks Business Mag hat unseren Sauvageonne la Villa 2015, AOP Côteaux du Languedoc, als den zweitbesten Roséwein der Welt geadelt und damit illustriert, dass wir den Vergleich mit den Besten nicht scheuen müssen!

Wie wichtig ist Ihnen als Winzer Nachhaltigkeit im Weinbau?

Weinbau ist ein Teil der Landwirtschaft, wo es darum geht, dass der Mensch das Land nutzt, um sich zu ernähren. In meiner Heimat, den Corbières, wird die Natur sowohl erhöht als auch auf das Wesentliche reduziert. Meine Verantwortung für das Land übersteigt seinen ökonomischen Nutzen; ich fühle mich dem Erhalt des Terroir genauso verpflichtet wie der Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Doch noch wichtiger ist für mich der Schutz der Gesundheit kommender Generationen und ein damit einhergehendes Bewusstsein. Die Herstellung von biodynamischen oder Bio-Weinen wird und muss die Zukunft der Weinerzeugung darstellen – um den informierten und vernetzten Konsumenten zu befriedigen und dem wachsenden Bedürfnis nach naturnaher Lebensmittelproduktion nachzukommen. Aus diesem Grund habe ich 2015 gemeinsam mit meinem Freund Yann Arthus Bertrand, einem Fotografen und überzeugten Umweltschützer im Dienst seiner GoodPlanet Foundation, ein Projekt für nachhaltige Landwirtschaft ins Leben gerufen. Wir planen, in Frankreich 10.000 neue Bäume zu pflanzen.

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Welche 3 Weine sollte jeder einmal in seinem Leben getrunken haben?

Nur 3? Château Petrus, Domaine de la Romanée Conti und … Clos d’Ora, Minervois la Livinière.

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Welche 5 Dinge sollten wir unbedingt über Gerard Bertrand wissen?

Nach meiner Rugbykarriere wurde ich ein großer Verfechter homöopathischer Anwendungen für mich und meine Familie. Dies weckte mein Interesse an biodynamischem Weinbau und den Prinzipien Rudolf Steiners; außerdem begründete ich Cigalus.
Ich ziehe mich gerne nach Cigalus zurück, wo ich mich zuhause fühle, mitten in der Natur und zwischen den Weinreben befinde und in der Stille mit dem Universum in Verbindung treten kann. Die Einheit von Natur und Mensch ist unser Schlüssel für die Zukunft.
2015 schrieb ich ein Buch über mein Leben und meine Lebensphilosophie: Wine, Moon and Stars.
‚Sine Vino, Vana Hospitalitas’ (Keine Gastfreundschaft ohne Wein): Ich begrüße gerne Gäste zum Essen, denen ich schmackhafte Gerichte aus Bio-Produkten und eine Flasche herausragenden Wein, am liebsten einen Château La Sauvageonne Grand Vin, serviere.
Wie Nelson Mandela, der sagte: „Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, erlauben wir anderen Menschen, das Gleiche zu tun“, sehe ich die Schönheit in jedem kleinen Ding und verstehe die persönliche Entwicklung als einen Grundwert im Leben.

Welches sind Ihre 5 bevorzugten Weingüter außerhalb des Languedoc?

Vega Sicilia, Sassicaia, Romanée Conti, Joseph Phelps Insignia in Napa Valley, Château Palmer

 

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