140 Jahre Pommery Brut

Die Geschichte des trockenen Champagners

Wer heute irgendwo auf der Welt ein Glas Champagner bestellt, bekommt ganz automatisch den edlen Schäumer in der Geschmacksrichtung Brut – also trocken – serviert. Brut wird wie selbstverständlich vorausgesetzt. Brut ist seit Jahrzehnten die weltweit bevorzugte Art der Dosage.

Eingangstor und Zugang zu den weitverzweigten Caves. Copyright: Vranken-Pommery

Eingangstor und Zugang zu den weitverzweigten Caves. Copyright: Vranken-Pommery

Das war nicht immer so: Bis weit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein wurde der Champagner mit deutlich schmeckbarer Restsüße – wenn nicht sogar richtig süß – ausgebaut und auch so getrunken. Dies diente aber beileibe nicht nur der Bedienung des gängigen Geschmacks der Champagnerliebhaber. Brachten die Trauben nicht die notwendige Reife und Komplexität mit, so konnte man mithilfe von Zucker auch den einen oder anderen geschmacklichen Mangel geschickt kaschieren. Es sollte einer der berühmten Veuves, einer der Witwen der Champagne vorbehalten sein, diesen Zustand radikal zu ändern: Madame Pommery vom Champagnerhaus Pommery & Greno. Geboren als Jeanne Alexandrine Mélin 1819 in den Ardennen, schickte sie sich – nach dem Tod ihres Mannes Alexandre Louis Pommery 1858 – an, die Geschichte des Champagners zu revolutionieren und neu zu schreiben. Genau 140 Jahre ist es her, dass Louise Pommery den ersten Champagner der Geschmacksrichtung »Brut« auf den Markt brachte – und dafür Hohn und Spott erntete. Die Idee eines trockenen Champagners geisterte durchaus schon einige Jahre zuvor durch die Weinkeller und Kreidegänge der Champagne – und wurde energisch und konsequent von andeen bekannten Häusern abgelehnt. Doch Louise Pommery blieb standhaft und hat mit ihrer Idee auch einen wesentlichen Schritt in Richtung Qualitätssteigerung getan, denn es reicht bei einem trockenen Champagner nicht, nur die Süße wegzulassen. Da der Champagner am Ende seiner Lagerung und Reifung quasi ungeschminkt ins Glas kommt, muss auch das Ausgangsmaterial, die Trauben, von exzellenter Qualität sein. Das war Madame Pommery durchaus bewusst.

 

Links: Unterhalb des einzigen Leuchtturms der Champagne, eine Wahrzeichen der Montagne de Reims, deutet dieser Stein auf ein besonders gute Lage hin, die für die Prestigecuvée reserviert ist. Copyright: C.Raffelt, rechts: Die besondere Architektur des Hauses Pommery, Copyright: Vranken-Pommery

Links: Unterhalb des einzigen Leuchtturms der Champagne, eine Wahrzeichen der Montagne de Reims, deutet dieser Stein auf ein besonders gute Lage hin, die für die Prestigecuvée reserviert ist. Copyright: C.Raffelt, rechts: Die besondere Architektur des Hauses Pommery, Copyright: Vranken-Pommery

Pommery ist heute – keine Frage – eine der renommiertesten Champagnermarken der Welt, bis in die letzten Winkel der Welt werden die Flaschen mit dem noblen Inhalt ausgeliefert. Die große Vision der Madame Pommery ist damit Wirklichkeit geworden. Und mit ihr begann der Siegeszug des Champagne Brut, den sie seinerzeit mit den Worten an ihren Kellermeister einläutete: »Wir brauchen einen Wein, der so trocken ist wie nur möglich, ohne hart zu sein . . . der weich, samtig ist und ein gutes Fondu besitzt.« Die Aufgabe schien zunächst unlösbar. Doch er hat sie gemeistert.

 

Dies ist der Auszug eines Artikels, der zuerst im Falstaff-Spezial zum 50jährigen Jubiläum des Hanseatischen Wein & Sekt Kontors erschienen ist.

Eckhard_Hillmann

Eckhard Hillmann stammt ursprünglich aus Ulm, hat sich aber vor Jahrzehnten schon im Norden akklimatisiert. Er schreibt für das Weinhandelshaus Carl Tesdorpf sowie für Vino Select. Bereits seit dem Jahr 2000 trägt Eckhard Hillmann den Titel Weinakademiker des Wine & Spirit Education Trust (WSET) und unterrichtet dort seit vielen Jahren den Nachwuchs. Weiterhin unterrichtet er an der Viniversität in Hamburg. Hillmann ist Jury-Mitglied beim Wettbewerb Mundus Vini.

Eckhard Hillmann - 12. Januar 2015