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Rebsorte
Die wilde Weinrebe “Vitis silvestris vinifera” (weintragende Waldrebe) kam auf der ganzen Welt vor, ihre natürliche Heimat war der Wald. Von dieser Urrebe stammen alle heutigen Rebsorten ab. Sie war zumeist zweihäusig, trug also entweder männliche oder weibliche Blüten, nur selten kamen beide an einer Pflanze vor. Weibliche Pflanzen können nur dann Früchte tragen, wenn eine männliche Pflanze als Pollenspender fungiert. Die männlichen Pflanzen sind unfruchtbar. Die Befruchtung erfolgte durch den Wind oder durch Vögel. Durch viele Versuche hat der Mensch nach und nach aus den ”zweihäusigen” Pflanzen ”einhäusige” kultiviert. Das heißt, daß die kultivierte Weinrebe “Vitis vinifera sativa” männliche und weibliche Blüten zugleich trägt. Sie gehört zur großen, botanischen Familie ”Vitaceae”, das sind verholzende Kletterpflanzen, die über die gesamte nördliche Hemisphäre verbreitet sind. Die Vitaceae-Familie wiederum wird in etwa ein Dutzend Gattungen unterteilt, die Weinrebe gehört zur Gattung der ”Vitis”, die sich wiederum in 65 Arten (lateinisch Spezies) unterteilt. Diese 65 Spezies (die meisten davon gibt es in Nordamerika) werden in folgende drei große Hauptgruppen untergliedert:
* Amerikaner-Reben (die drei wichtigsten sind Vitis berlandieri, Vitis riparia, Vitis rupestris)
* Europäer-Reben (Vitis vinifera, zu der fast alle in Europa angepflanzten Sorten gehören)
* Asiatische Reben (zum Beispiel Vitis amurensis, Vitis coignetiae, Vitis thunbergii)
Aus diesen 65 Spezies wurden im Laufe von Jahrtausenden die vielen heutigen Rebsorten kultiviert (innerhalb der Spezies nennt man diese Varietäten). Die Rebsorte hat neben Bodentyp, Klima und Vinifikation (der Kunst des Winzers) einen großen Einfluß auf den Charakter eines Weines. Jedes Land, Weinbau-Region, Weinbau-Gebiet und sogar oft kleinste Teilgebiete haben ihre typischen Rebsorten. Diese prägen auch typische Eigenschaften des daraus gewonnen Weines. Das ideale Klima liegt bei ausreichender Versorgung mit Nährstoffen, Wasser und Sonnenbestrahlung zwischen 23 und 25° Celsius. In der Regel gedeihen die Reben in 100 bis 400 Meter Seehöhe am besten. Die höchst gelegenen Weingärten der Welt befinden sich in den Schweizer (Visperterminen und in der argentinischen Weinbauregion Salta in jeweils 1.200 Meter Seehöhe. Die Flexibilität der Weinpflanze beweist, daß sie sich (fast) überall zurecht findet. Der ideale Boden ist wasserdurchlässig, so daß die Wurzeln gezwungen sind, sich im Boden weit und auch sehr tief auszubreiten. Vier bis zu fünfzehn Meter tief senkt der Rebstock seine Wurzeln in die Erde. Die Rebstöcke sind bis minus 18° Celsius lebensfähig.
Neue Rebstöcke werden im April gepflanzt, es dauert dann zumindest drei bis fünf Jahre, bis der Rebstock die ersten Erträge, den sogenannten Jungfernwein liefert. Der Rebstock wird dann in der Regel 30 bis 40 Jahre für den Weinbau genutzt. Er könnte aber wesentlich älter werden und es steigt damit auch die Qualität des Weines. Da jedoch die Erträge mit zunehmenden Alter geringer werden, wird dies nicht sehr häufig genutzt. Sowohl das Laub als auch die Beeren der einzelnen Rebsorten haben verschiedene Größe und Form. Das fleischige Innere der Traube liefert den größten Teil des im Traubensaft enthaltenen Wassers und Zuckers sowie der Säuren. Außer bei den rotfleischigen Sorten , den sogenannten Teinturier, ist das Fruchtfleisch unabhängig von der Farbe der Beerenhaut stets hell bis grau.
Fast alle heutigen europäischen Rebsorten sind durch eine sogenannte Veredelung entstanden, was Mitte des 19. Jahrhunderts durch die aus Amerika eingeschleppte Reblaus und deren Bekämpfung ausgelöst wurde. Weltweit gibt es rund 15.000 Arten, von denen aber nur ein geringer Teil kultiviert wurde. Viele davon haben jedoch nur eine begrenzte, lokale Bedeutung. Bei den über 2.000 kultivierten, verschiedenen Rebsorten entstehen auch immer wieder neue. Dies wird entweder bewußt initiiert oder kann auch auf natürliche Weise selbsttätig passieren. Dabei gibt es folgende vier Möglichkeiten:
* Kreuzung: Kreuzung mehrerer Varietäten der gleichen Spezie
* Hybriden: Kreuzung mehrerer Varietäten verschiedener Spezies
* Klon: Auslese-Zucht bei einer Art = Nachkommenschaft
* Mutation: natürlich auftretende, genetische Veränderung
Die vorwiegend in Spanien angebaute, weiße Rebsorte Airén ist mit rund 405.000 Hektar Rebfläche die meistangebaute Rebsorte der Welt, gefolgt von der roten Grenache (Garnacha), die ebenfalls in Spanien und auch in Frankreich weit verbreitet ist. Die dritthäufigste Sultana íst eine Tafeltraube. Die Rebfläche betrug 1998 weltweit insgesamt 7,4 Millionen Hektar, das sind 74.000 km², was in etwa der Größe von Österreich entspricht (83.856 km²). Europa hat davon einen Anteil von rund zwei Dritteln. Die 50 häufigst angebauten Rebsorten der Welt sind:
* Airén (weiß) 405.000 ha
* Grenache (rot) 322.000 ha
* Sultana (weiß) 298.000 ha
* Trebbiano = Ugni Blanc (weiß) 255.000 ha
* Carignan (rot) 238.000 ha
* Rkatsiteli (weiß) 238.000 ha
* Merlot (rot) 123.000 ha
* Mission = Pais (rot) 122.000 ha
* Cabernet Sauvignon (rot) 120.000 ha
* Sangiovese (rot) 108.000 ha
* Monastrell = Mourvédre (rot) 103.000 ha
* Muscat Blanc (weiß) 93.000 ha
* Bobal (rot) 77.000 ha
* Muscat d´Alexandrie (weiß) 76.000 ha
* Catarratto (weiß) 75.000 ha
* Tempranillo (rot) 73.000 ha
* Aligoté (weiß) 72.000 ha
* Cinsaut (rot) 68.000 ha
* Sémillon (weiß) 64.000 ha
* Kadarka (rot) 63.000 ha
* Malbec (rot) 61.000 ha
* Chenin Blanc = Steen (weiß) 59.000 ha
* Riesling (weiß) 57.000 ha
* Aramon (rot) 56.000 ha
* Welschriesling (weiß) 55.000 ha
* Verdicchio (weiß) 54.000 ha
* Palomino (weiß) 51.000 ha
* Macabeo (weiß) 50.000 ha
* Pedro Ximénez (weiß) 48.000 ha
* Müller-Thurgau (weiß) 42.000 ha
* Pamid (rot) 40.000 ha
* Chasselas = Gutedel (weiß) 39.000 ha
* Cereza (rot) 38.000 ha
* Xarel-Lo (weiß) 36.000 ha
* Pinot Noir (rot) 35.000 ha
* Grenache Blanc (weiß) 34.000 ha
* Colombard = French Colombard (weiß) 34.000 ha
* Bonarda (rot) 33.000 ha
* Gamay (rot) 31.000 ha
* Veltliner (weiß) 30.000 ha
* Syrah = Shiraz (rot) 29.000 ha
* Cabernet Franc (weiß) 29.000 ha
* Chardonnay (weiß) 28.000 ha
* Alicante Bouschet (rot) 27.000 ha
* Merseguera (weiß) 27.000 ha
* Dimiat (weiß) 25.000 ha
* Pardillo = Pardina (weiß) 22.500 ha
* Barbera (rot) 22.000 ha
* Muscat d´Hamburg (weiß) 21.000 ha
* Silvaner (weiß) 20.000 ha
Die großen Weine dieser Welt stammen aus einer begrenzten Zahl von ”noblen” Rebsorten, den Cépages nobles. Dazu zählen die roten Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Syrah (Shiraz) sowie die weißen Chardonnay, Riesling und Sauvignon Blanc. Selbstverständlich können auch aus anderen Rebsorten ausgezeichnete Weine hergestellt werden und Weine aus den erwähnten ergeben nicht automatisch Spitzenweine. Aber wirklich hervorragende Qualitäten stammen in der Regel davon. Jahrhundertelange Erfahrung hat gezeigt, daß nur sehr wenige geeignet sind, das komplexe Aroma und Bouquet eines vollkommenen Weines zu entwickeln. In den letzten 100 Jahren wurde vorwiegend in Europa und vor allem in Deutschland versucht, durch Kreuzung neue Rebsorten zu kreieren. Von den weit über 100 neuen Neuzüchtungen waren aber nur wenige erfolgreich. Siehe auch unter Erziehungsform und Rebstock-Feinde.












